Neuseeland, Travel
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Wellington: Zwischen Riesenkraken und Bullerbü

Neuseeland hat viel zu bieten. Wunderschöne Natur, traumhafte Farben, liebenswürdige Menschen. Aber die Städte sind in der Regel nicht wirklich die schönsten. Ganz oft fühlten wir uns irgendwie an Westernstädte erinnert: nicht besonders hübsch, die Gebäude eher funktional als wirklich ästhetisch.

Die Hauptstadt Wellington ist da eine wirklich hübsche Ausnahme. Auf den grünen Hügeln, die die Stadt umgeben, stehen viele farbenfrohe Holzhäuser, die der Stadt einen ganz eigenen Charakter verleihen. Statt Westernstadt sieht es eher aus wie eine Mischung aus Villa Kunterbunt und Bullerbü – einfach irgendwie gemütlich und fröhlich. Im Stadtzentrum überwiegt dann zwar auch wieder eher die Praktikabilität, aber irgendwie hat die Stadt einfach Charme. Irgendwie dachte ich mehrmals, ich hätte als Studentin hier gerne mein Auslandssemester verbracht. Die Stadt hat einfach ein schön entspanntes Flair. Und übrigens etwa genauso viele Einwohner wie Lübeck, wirkt aber wesentlich größer. Wir mögen sie.

Einmal ganz nach oben, bitte!

Und Wellington wollte es uns wohl auch besonders schön machen, denn wir wurden von strahlend blauem Himmel geweckt. Nach einem schnellen Frühstück saßen wir schon gegen halb zehn geschniegelt und gestriegelt im Bus Richtung Stadtzentrum, um Neuseelands Hauptstadt weiter zu erkunden.

Da das Wetter und die Aussicht gerade so gut waren, steuerten wir zuerst das berühmte Cable Car an. Die rote Seilbahn hat wohl jeder schon mal auf einer Postkarte von Wellington gesehen. Sie fährt von der Hauptgeschäftsstraße Wellingtons einmal den Berg nach oben ins Stadtviertel Kelburn.

Der Eingang liegt ganz versteckt mitten im Business-Viertel in einer schmalen Gasse und war gar nicht so leicht zu finden. Dort angekommen freuten wir uns, dass die einfache Fahrt gerade einmal NZD 3,50 (ca. 2 €) kostet – bei der Touristenattraktion der Stadt hatten wir mit mehr gerechnet. Wobei man fairerweise sagen muss, dass die Eintrittspreise in Neuseeland generell wirklich sehr human sind. Man fühlt sich eigentlich so gut wie nirgendwo abgezockt und die Preise sind immer angemessen.

Aber zurück zum Cable Car, das leider ein unerwartet kurzes Vergnügen war. Keine fünf Minuten ging es steil bergauf und die Fahrt war auch schon wieder vorbei. Oben erwartete uns dafür – neben starkem Wind – ein fantastischer Blick über die Stadt und den Hafen.

Wohl das berühmteste Motiv aus Wellington (sogar bei Postkarten-Wetter)

Der Abstieg

Um wieder nach unten zu kommen entschieden wir uns für die „sportlichere“ Variante: Einen Spaziergang durch den Botanischen Garten. Auch wenn wir beide weder groß botanisch bewandert noch mit einem grünen Daumen ausgestattet sind, konnte man doch erkennen, dass der Garten mit viel Liebe angelegt wurde. Das Wetter hatte neben den Touristen auch zahlreiche neuseeländische Familien mit Kindern rausgelockt und so war eine tolle Atmosphäre im ganzen Garten. Man hatte einfach irgendwie das Gefühl, mitten drin im Leben der Menschen von Wellington zu sein.

Unter anderem gab es auch einen Kinder-Erlebnispfad, der erst wenige Tage vorher eröffnet hatte. Hier konnten die Kinder spielerisch viel über die Natur lernen, z.B. bei welchen Krankheiten welche Pflanzen helfen und wie man aus Ästen ein Tipi bauen kann. Unten angekommen landeten wir auf der Suche nach einer Wickelmöglichkeit für den Babytüpen in einem Gewächshaus mit Kakteen und verschiedensten tropischen Pflanzen.

Im Gewächshaus

Im Gewächshaus

Praktischerweise gab es dort auch WLAN und so haben wir direkt unsere Fähre auf die Südinsel am nächsten Morgen gebucht. Dank unserer tollen TOP10 Membership Card (fleißige Leser erinnern sich ;)) konnten wir sogar noch 10% sparen. Trotzdem kostete der ganze Spaß für uns drei plus Camper immerhin $265 (ca. 154 €). Naja, man ist ja auch knapp 3,5 Stunden unterwegs und solange man noch keine Camper im Flugzeug transportieren kann, ist das auch der einzige Weg auf die Südinsel

Links ist das Business-Viertel

Mit einem kurzen Zwischenstopp bei McDonald’s ging es dann wieder in Richtung des Hafens. Die Sonne schien weiterhin um die Wette, aber dank des Windes war trotzdem relativ frisch. Die Neuseeländer hat das anscheinend nicht gestört. Die waren gekleidet, als wären es 30 Grad im Schatten. Ob das der Einfluss der Briten ist? Die ziehen sich ja auch an wie im Hochsommer, sobald das Thermometer zweistellige Temperaturen anzeigt. Und wer auf einer Party im kleinen Schwarzen heiß aussehen will, der lässt (zumindest in Großbritannien) auch im tiefsten Winter das Jäckchen zu Hause. Aber das ist eine andere Geschichte. 😉

Der Hafen von Wellington

Jeder der mochte, durfte an diesem Klavier spielen

„Der Ort der Schätze dieses Landes“

Wir waren auf jeden Fall kuschlig warm eingepackt und steuerten unsere nächste Station an: das Te Papa Tongarewa Museum, das Nationalmuseum von Neuseeland. Der Name ist übrigens Maori und bedeutet so viel wie Der Ort der Schätze dieses Landes.

Der Eintritt in das riesige Museum ist kostenlos. Neben Dauerausstellungen über die Natur und Tierwelt, die Geschichte des Landes und Erdbeben, gibt es auch regelmäßige Sonderausstellungen, die teilweise kostenpflichtig sind. Leider verabschiedeten sich im Te Papa direkt die Akkus unserer beiden Kameras, so dass wir den Rest des Tages nur noch Fotos mit dem Handy machen konnten.

In den Fängen des Giant Squid

Das Museum ist wirklich mit viel Liebe zum Detail gestaltet und es gab einiges zu entdecken. Besonders in Erinnerung blieb uns allerdings ein achtarmiger Kollege. Vor ein paar Jahren haben Fischer in der Antarktis nämlich mal einen richtig dicken Fang gemacht und einen Riesenkraken an Land gezogen, der über vier Meter groß und stattliche 470 kg schwer war. Der Gute wurde dann von Forscher ausgiebig untersucht (ein Teil davon konnte man sogar in einer Webkonferenz live mitverfolgen), in irgendwas eingelegt, was ihn konserviert und dann im Te Papa ausgestellt.

Obwohl der Giant Squid dank der Konservierung einiges an Größe eingebüßt hat, war es trotzdem ganz schön beeindruckend dieses Riesentier mit acht Armen und einem Auge (das andere war verletzt) so vor einem zu sehen. Beim Schwimmen im Meer will ich so einem auf jeden Fall nicht begegnen… 😉

Durchgeschüttelt

Beeindrucken und gleichzeitig beängstigend war auch die Simulation eines Erdbebens. Bisher habe ich nur mal ein ganz leichtes Erdbeben auf Bali mitbekommen – und das auch nur, weil ich gerade zu dem Zeitpunkt saß, sonst hätte ich es wohl gar nicht registriert. Die Simulation fand in einem kleinen Haus statt und es war schon ein mulmiges Gefühl da drin zu stehen und nicht zu wissen, wann und in welcher Stärke es losgeht. Es hat dann auch echt ordentlich geruckelt. Beängstigender war dann aber der Fakt am Schluss der Simulation, dass das Erdbeben in Christchurch 50 Mal (!) stärker war als das, was wir „miterlebt“ haben. Diese zerstörerische Kraft kann (und möchte) man sich beim besten Willen nicht vorstellen.

Free Krabbling for everyone!

Der Babytüp hat sich weder vom Riesenkraken noch vom Erdbebensimulator besonders beeindruckt gezeigt. Er hat im Te Papa vor allem den Platz genossen und ist wie ein Verrückter durch alle Räume gekrabbelt und hat dabei regelmäßige Verzückungsrufe anderer Besucher hervorgerufen. Süß aussehen kann er halt, der Reise-Babytüp! 🙂 Wir konnten ihn dann glücklicherweise gerade noch davon abhalten, in die etwa 1,50 m große Nachbildung eines Herzens hinein zu krabbeln.

Der Babytüp entdeckt das Herz

Das Te Papa Museum ist so riesig, dass man sicherlich mehrere Tage darin verbringen könnte. Ganz so hart waren wir dann aber doch nicht drauf und gönnten uns deshalb zwischendurch mal eine Pause an der frischen Luft und einen Snack am Hafen.

Dort hatten wir es uns in der Nähe eines Sprungturms gemütlich gemacht, von dem Mutige ins Hafenbecken springen können. Wir ließen uns ins Spritz-sicherer Entfernung nieder und hatten Glück: gerade kam eine Gruppe Jugendlicher, die sich natürlich keine Blöße geben konnten und abwechselnd ins Wasser sprangen. Einer natürlich cooler als der andere. Ein Mädchen ist sogar komplett in ihren Klamotten reingesprungen. Auf jeden Fall ein nettes Pausenentertainment, das auch viele andere Schaulustige angezogen hat.

Jump!

Nachdem wir auch den Rest des Te Papa Museums erkundet hatten, ging es mit dem Bus wieder zurück zu unserem kostenlosen Stellplatz. Dieses Mal haben wir sogar die richtige Haltestelle erwischt. 😉 Während der Babytüp nach seinem Abendbrot schnell ins Land der Träume verschwand, gab es für uns noch sehr leckere Reis-Gemüse-Hack-Pfanne. Danach hieß es noch: Sachen vorbereiten für die Fährfahrt am nächsten Tag.

Sündinsel, wir kommen!

Sonnenuntergang am Parkplatz

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